Die kainitische Welt

Als älteste noch existierende Gesellschaft der Welt, gestaltet von uralten Monstren und dominiert von skrupellosen Raubtieren, erreicht die kainitische Gesellschaft mühelos den Charme einer durchschnittlichen Wasserfolter. Starre Regeln, harte Strafen, unmenschliche Perspektiven und unterschiedlichste Anwendungsweisen bilden ein Horrorgeflecht undurchschaubarer Konventionen, willkürlicher Routinen und grausamen Prozedere.
Wer in die unsterbliche Gesellschaft eingeführt wird, muss zuerst sehr viel vergessen. Denn menschliche Konventionen lassen sich nur im eigenen Kulturkreis anwenden… und genau diesen gibt es innerhalb kainitischer Kreise nicht. Es thronen Griechen, Etrusker, Römer oder Goten neben Langobarden. Ehemalige Sklaven neben weitgewanderten Händlern. Venezianern neben Genuesen. Franken neben Slawen. Mit Glück gibt es eine vorherrschende Sprache, auch wenn es Audienzen gibt, für die erst Fremdsprachenunterricht genommen werden sollte.
Diese Heterogenität ist für viele junge Kainiten schwer zu erfassen und muss erst erlernt werden – da die anderen Kainiten in der Regel wenig Rücksicht auf solcherlei Schwächen nehmen – ganz im Gegenteil.

Die gesellschaftlichen Normen, Umgangsformen und Etikette auf die man sich daher in kainitischen Kreisen einigen konnte, sind von Domäne zu Domäne verschieden. Nur wenige, uralte Gesetze wie die Traditionen oder das Elysiumsrecht werden auch in weit auseinander liegenden Domänen ähnlich interpretiert.
Vielmehr sind die ursprünglichen Gedanken, die zu den örtlichen Normen und Etikette geführt haben, sehr ähnlich:
– huldigt dem Ego der Mächtigen, um deren Tier nicht zu erzürnen
– steckt einen erlaubten Rahmen der Verhaltensweisen, um Interpretationsspielräume klein zu halten, Missverständnisse vorzubeugen und so unnötige Konflikte zu verhindern
– gebt denen Vorteile die Etikette und Normen anwenden und zementieren, um die restlichen positiven Effekte einer größeren Menge schmackhaft zu machen.

Neben den Unterschieden ist es natürlich dennoch so das dicht beieinander liegende Domänen, schon durch den Kontakt der dort lebenden Kainiten, eine ähnlichere Gesellschaft aufweisen als weiter voneinander entfernt, womöglich sogar in verfeindeten Machtblöcken liegende (womit sie in der Regel deutlich weniger Kontakt zueinander haben).

Anmerkung des Autors: Was hier wahnsinnig kompliziert klingt, ist im Prinzip sehr simpel: wer neu ist und noch nicht weiß wie genau so unser Vampire/Mittelalterverständnis so aussieht kann erst einmal drauf los spielen. Diskrepanzen zu unserem Bild erklären wir einfach mit den obigen „kulturellen Feinheiten“. Somit legen wir eine gewisse Akzeptanzbasis. Auch wenn es natürlich weiterhin jedem überlassen bleibt wie kulant sich sein Charakter bei besonders dreisten Neulingen gibt.